Zeit
Zeit ist die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Die Gegenwart ist der kurze Moment, in dem die Zukunft zur Vergangenheit wird. Mit diesem Zeitabschnitt möchte ich mich gerne befassen ohne noch philosophischer zu werden. Welche Bedeutung hat das Wort Zeit im Zusammenhang mit der Arbeit im Hospiz? Die Vermutung liegt nahe, dass die meisten Menschen bei diesem Thema nicht unbedingt an "Zeit haben" denken. Und doch ist es genau das, was ich mit unserer Arbeit verbinde.
Sei es, dass die Eltern die Möglichkeit haben abzuschalten, den Alltag für einige Tage hinter sich zu lassen und Energie zu tanken. Manche nehmen sich Zeit für sich, manche verbringen intensiv Zeit mit den Geschwisterkindern, manche ruhen sich aus und manche genießen es auch einfach, sich nicht um Haushalt und Mahlzeiten kümmern zu müssen und das erkranke Kind mal für sich alleine zu haben.
Auch die Geschwisterkinder haben umgekehrt die Möglichkeit, mehr Zeit mit ihren Eltern zu verbringen, schöne Momente zu erleben, Ausflüge zu machen oder mit unserem Familienteam etwas Kreatives auf die Beine zu stellen.
Für mich bedeutet "Zeit haben" die Gegenwart bewusst zu erleben, sich als Pflegekraft ganzheitlich um die erkrankten Kinder kümmern zu können; jedes Kind kennen zu lernen, sich auch mit neuen Dingen vertraut zu machen. Es ist etwas sehr wertvolles Zeit zu haben, auf die individuellen Bedürfnisse unserer Gäste eingehen zu können.
Es gibt viele lustige Momente, wie planschten im Pool, Toben im Aktivraum oder Power Snoezelen während im Hintergrund der "Hardrockhase Harald" Rolf Zuckowski und Co. in den Schatten stellt.
Es gibt viele ruhige Momente, wenn wir spazieren gehen, eine Geschichte vorlesen oder kuscheln, weil ein Kind nachts nicht schlafen kann.
Und es gibt auch traurige Momente, wo wir einfach nur da sind, eine Hand halten, zuhören reden oder gemeinsam schweigen.
Zeit zu haben für all diese Dinge, das ist es, was den Aufenthalt/die Arbeit im Hospiz ausmacht.
Letztendlich ist die Zeit, die wir uns nehmen, Zeit die uns etwas gibt.
Text: Katharina Jaschinki
Bild: AM