Wärme
Als ich an einem freundlichen Nachmittag auf dem Heimweg bin, sehe ich eine ältere Frau auf dem Gehweg sitzen. Sie macht ein verzweifeltes Gesicht, sie ist nicht freiwillig dort gelandet. Ich halte meinen Wagen an und gehe zu der Dame. In gehockter Position erkundige ich mich nach ihrem Befinden. Sie war gestürzt, auf ihr operiertes Knie, dessen rechtes Bein sie angewinkelt, unsicher hielt. Wie aus einem Reflex umfasse ich ihr Knie mit beiden Händen und lasse sie eine Weile dort liegen, so dass meine Körperwärme auf sie übergeht. Ich beruhige sie, auch mit Worten. Mit unseren vereinten Kräften kommt sie auf die Beine. Als sie wieder sicher und unversehrt steht bedankt sie sich erleichtert bei mir und meinte: “Sie sind doch sicher vom Fach.“
Man macht es automatisch wenn man sich wehgetan hat: man legt die Hand auf die schmerzende Stelle und wirkt dem unangenehmen Gefühl entgegen. Auch als Kinderkrankenschwester im Kinderhospiz versuche ich den Gästen mit meiner Berührung und Wärme zu helfen. Eine Ruhe ausstrahlende Hand auf den Brustkorb gelegt vermittelt Entspannung und Beruhigung. Ein warmer Wickel oder eine im Uhrzeigersinn ausgeführte Bauchmassage, mit einem wärmenden und entkrampfenden Öl hilft bei Bauchschmerzen. Beine eines Rollstuhlfahrers, die dadurch dass sie nicht bewegt werden kalt sind und nicht mehr so gut empfunden werden, können sich entspannen wenn ich sie wärme und massiere. Auch die Körperwahrnehmung wird damit verbessert.
Ich glaube bei dieser „ Handarbeit“, bei der ich meine ganze Aufmerksamkeit auf den Gast richte, geht mit meiner Körperwärme auch positive Energie und Ruhe über, so dass der Gast entspannen kann und sich Wohlbefinden einstellt, so wie bei der gestürzten Frau.
Und genau das ist es was ist es was mir am Herzen liegt: ich möchte Wärme und Wohlbefinden verbreiten!
Text: Carmen Heider
Foto: AM