Verständnis
Wie funktioniert eigentlich verstehen?
Verständnis zeigen verstehen viele als die Handlung über die Schwächen des Anderen hinweg zu sehen. „ Ich habe Verständnis für dich, denn du weißt es nicht besser“. Dabei ist für mich der Begriff Verständnis ein ganz anderer. In Verständnis steckt das Wort verstehen. Somit hat das Wort ganz viel mit Empathie zutun.
Verstehen warum die Menschen die mich umgeben so sind wie sie sind. Welche Lebensgeschichte haben sie? Was für Emotionen leben sie?
In meinem Psychologiestudium geht es darum Handeln und Gedanken anderer Menschen zu verstehen. Ich lerne unterschiedliche Modelle theoretisch kennen. Doch im Hospiz begegne ich Menschen. Hier hilft es nicht in Theorien und Schemata zu denken.
Um unseren Gegenüber zu verstehen begegnen wir ihm offen und interessiert. Es ist wichtig einfach da zu sein und zu zuhören. Nicht zu Werten oder zu urteilen, sondern einfach zu verstehen. Nur so können wir versuchen unseren Gästen eine schöne Zeit zu ermöglichen. Bei uns im Hospiz sind es aber nicht nur Worte die es zu verstehen gilt. Oft sind es Situationen die wir verstehen oder Emotionen.
Die Angehörigen die einen wichtigen Menschen verloren haben trauern. Das tun sie auf Ihre ganz eigene Weise, auf ihrem eigenen Weg. Hierbei begleiten wir so gut wir können. Ein wichtiger Teil ist dabei das wir Verständnis zeigen für diesen eigenen Weg der Trauer.
Viele Kinder die zu uns kommen kommunizieren auf ihrem eigenen Weg mit uns. Und dieser Weg ist für dieses Kind der richtige. Diesen gilt es zu verstehen und für diesen Weg verständnisvoll zu sein. Ich möchte diesen Text mit zwei Zeilen aus einem Gedicht beenden. In dem Gedicht geht es darum das Sprache nicht der einzige Weg der Kommunikation ist. Das Gedicht heißt „Hundert Sprachen hat ein Kind“. Es ist geschrieben von Loris Malaguzzi, einem italienischen Pädagogen und dem Begründer der Reggio-Pädagogik.
Ein Kind ist aus hundert gemacht, hat hundert Sprachen, hundert Hände, hundert Gedanken, hundert Weisen zu denken, zu spielen und zu sprechen.
[…]
Sie sagen ihm, dass die Welt bereits entdeckt ist, und von hundert Sprachen rauben sie dem Kind neunundneunzig. Sie sagen ihm, dass das Spielen und die Arbeit, die Wirklichkeit und die Phantasie, die Wissenschaft und die Vorstellungskraft, der Himmel und die Erde, die Vernunft und der Traum Dinge sind, die nicht zusammengehören.
Sie sagen also, dass es die hundert Sprachen nicht gibt. Das Kind sagt: „Aber es gibt sie doch!“
Loris Malaguzzi
Text: Moritz Faust
Foto: AM