Takt

Jahrelang habe ich Schlagzeug gespielt. Da war das einfach mit dem Takt. Den habe ich mir selbst ausgesucht oder das Stück, bzw. die Band gab diesen vor. Wollte ich jedoch schneller spielen, hab ich das einfach getan. Der Rest musste sich dann daran halten, ob Sie wollten oder nicht. Der Schlagzeuger hat, was das angeht, die Macht. Wusste man mal nicht weiter, nahm man sich ein Metronom, da war alles geregelt. Alle schauten darauf und blieben im gleichen Takt. In meiner vorherigen Arbeitsstelle, in einem Wohnheim für erwachsene Menschen im Autismusspektrum, war ich weiterhin meistens der Schlagzeuger. Jeder Tag war durchgetaktet und ich war der Taktgeber.
Doch wie ist das im Kinder – und Jugendhospiz?
Hier kann ich nicht meinen eigenen Takt vorgeben. Mein Metronom ist das erkrankte Kind/der Jugendliche und dessen Familie. Man könnte auch sagen, dass Kind ist der Schlagzeuger. Es gibt den Takt vor und der Rest der „Band“ spielt danach.
Auch spiele ich jede Woche in einer anderen Band, mal im Symphonieorchester und mal in der Heavy Metal Gruppe. Ende Mai bin ich Volksmusiker, Anfang Juni Punkrocker.
Am Ende des Tages geht es aber immer um die Musik, egal in welchem Takt.
Und ich mag Musik...

 

Text: Dennis Hoyer
Foto: AM

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