Glauben

Glauben heißt für mich vertrauen. Ich vertraue darauf, dass jedes Leben ein Geschenk Gottes ist, dem Gott Wert, Würde und Bedeutung gegeben hat, aber auch Grenzen. Kein Mensch muss sich sein Lebensrecht verdienen. Keiner muss sich seiner begrenzten Möglichkeiten schämen. Jeder Mensch hat in Gott einen Verbündeten. Im Kinderhospiz erlebe ich im Gespräch mit Familien anderer Religionen, dass wir diesen Glauben teilen. 

Als Christin erhalte ich durch Jesus eine Bestätigung für mein Vertrauen zu Gottes Lebensbejahung. In Jesus begegnet uns Gott als Mensch. Als Mensch, der unser Leben teilt mit allem, was es ausmacht. Dazu gehört die Entdeckerfreude, die Angewiesenheit auf andere, Erfahrungen von Freundschaft und Erfolg, aber auch der Schmerz von Enttäuschung und Verrat. Und dazu gehört auch der Tod. Jesus war erfüllt von Liebe zum Leben und hat diese Liebe auf alle Menschen ausgestrahlt. Und mit dieser Liebe hat er den Tod besiegt.  

Wenn wir im Kinderhospiz von einem Kind Abschied nehmen müssen, sind wir traurig. Aber die Auferstehung Jesu lässt mich darauf vertrauen, dass Gott, auch den Verstorbenen Zukunft gibt, Zukunft neuen Lebens. 

Schließlich: Im Kinderhospiz erlebe ich, was ich auch in der Gemeinde oft erlebt habe: Man spürt dort einen guten Geist. Eine Atmosphäre von Willkommen, Achtsamkeit, Wertschätzung. Sie ist da, wenn gelacht wird. Sie ist da, wenn Tränen fließen. Für mich ist das die Gegenwart von Gottes heilsamem, von Gottes heiligem Geist. 

Die Mitarbeit im Hospiz als Seelsorgerin ist für mich auch eine Stärkung meines Glaubens.

 

Text: Sylvia Bukowski
Foto: AM

 

 

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