Duft

Düfte können betörend, sinnlich, verführerisch, zart, köstlich, aromatisch, angenehm, zart sein. Sie können wie ein schöner Ton anklingen und sich leicht verflüchtigen, oder wie ein zarter Schleier in der Luft liegen. Düfte wecken längst vergessen geglaubte Erinnerungen und lassen Bilder aus vergangenen Zeiten vor unserem inneren Auge entstehen. Auch bringen wir mit Düften bestimmte Jahreszeiten und ihre Feste in Verbindung. Zimt und Orange erinnern an Weihnachten, Flieder und Maiglöckchen bringen den Frühling in uns zum Klingen, Düfte von Basilikum, Lavendel und wildwachsenden Kräutern zaubern Urlaubserinnerungen hervor und der Duft von feuchtem Waldboden mit Pilzaroma weckt in uns die Lust aufs Wandern und letzte warme Sonnentage. Unser Geruchssinn ist das Tor zur Seele ohne Umweg über den Verstand. Düfte werden sofort in den ältesten Teil unseres Gehirns weitergeleitet, dorthin, wo Gefühle, Erinnerungen und Bilder abgespeichert sind. Das hat und hatte einen überlebenswichtigen Sinn. Es schützt uns vor Verdorbenem oder warnt uns vor Gefahren. Einmal gemachte Erfahrungen können so durch eine Wiederholung der Geruchswahrnehmung immer wieder hervorgeholt werden und wir können blitzschnell reagieren, weil auch unsere Hormonausschüttung über Duftwahrnehmung gesteuert wird.
Allerdings werden Düfte, die wir mit einer angenehmen Situation verbinden, schneller gespeichert, als die, die wir mit einer anangenehmen Lage verbinden. Jeder Mensch hat andere Duftvorlieben. Sie sind durch Erfahrung oder durch Erziehung geprägt. So können Babys schon im Mutterleib etwa ab der 28. Schwangerschaftswoche riechen und Duftvorlieben der Mutter als positiv abspeichern.
Unser Wohlbefinden wird enorm durch Gerüche beeinflusst. Wenn wir einen glücklichen Moment erleben und damit einen bestimmten Duft verbinden, so prägt sich das in unser Geruchsgedächtnis ein und nach und nach kehrt sich der Effekt um und der Duft löst ein Glücksgefühl in uns aus.
Düfte können also ein Gefühl der Geborgenheit, des Sich Aufgehoben Fühlens, des Loslassens und des Schutzes erzeugen.
Als Aromaexpertin versuche ich durch Gespräche mit den Eltern oder Beobachtungen bei den Kindern herauszufinden, was Duftvorlieben und Bedürfnisse sind. So können zum Beispiel Zitrusöle und Rosmarin gut in den Tag helfen bei kleinen Schlafmützen, Lavendel, Mandarine und Vanille geben Schutz und Geborgenheit und helfen beim Einschlafen.
Bei einer Aromamassage mit entsprechenden Ölen und deren Düften gelingt es selbst Müttern oder Vätern, die sonst schlecht abschalten können, für eine halbe Stunde mal ganz loszulassen und Entspannung zu finden. Diese Gefühle des Wohlbefindens prägen sich gut in das Duftgedächtnis ein und können auch zu Hause mit den entsprechenden Düften z.B. in einer Duftlampe oder einem Massageöl wieder in Erinnerung gebracht werden, indem es zu einem wohltuenden Ritual wird.

Suche in den Düften der Blüten und Früchte die Heiterkeit des Geistes und die Freude am Dasein.
(Wang Wei; Dichter der Tang Dynastie)

 

Text: Claudia König
Foto: AM

 

Zurück