Abbiegen
Manchmal ist es gut, seine Wege zu verlassen und andere einzuschlagen. Irgendwie hat mich dieses Wort -Abbiegen- sofort angesprochen. Vielleicht weil ich selber nach 22 Berufsjahren im Krankenhaus, ins Kinder-und Jugendhospiz Burgholz abgebogen bin?
Oder weil ich schon oft erfahren habe, dass das Leben immer wieder Kreuzungen für einen bereithält, an denen man sich entscheiden muss abzubiegen?
Abbiegen bedeutet: neue Wege einschlagen und bekannte, erhoffte oder gewünschte Wege verlassen. Oft sind diese Wege unbekannt, machen neugierig, wecken Erwartungen, aber manchmal können sie auch Angst machen.
Manchmal, und das ist häufig hier in Burgholz so, müssen Familien unfreiwillig abbiegen. Erkrankungen zwingen uns geplante Wege zu verlassen. Häufig sind die “Kreuzungen“ die nun vor einem liegen dann so groß und vielfältig, dass man nicht weiß in welche Richtung oder auf welchen Weg man abbiegen soll. Es gibt unterschiedliche Meinungen, Empfehlungen von Ärzten, Ratschläge von Freunden, Bemerkungen von anderen Eltern und jeder hält seinen Weg für den Richtigen. Da fällt es schwer, eine gute und für sich selber richtige Entscheidung zu treffen. Ich bin froh und dankbar, dass ich nach meinem eigenen abbiegen diese Menschen, die an vielen Kreuzungen stehen, begleiten darf. Das wir gemeinsam viele schöne aber auch traurige neue Wege gehen und ich Hilfestellung beim „richtigen“ Abbiegen geben darf. Ganz in dem Vertrauen das hier keiner alleine seinen Weg verlassen und keiner alleine abbiegen muss.
In diesem Sinne freue ich mich auf viele neue Wege und reiche jedem meine Hand um mit ihm gemeinsam abzubiegen.
Text: Dagmar Mittelmann
Foto: AM